Detailverliebt – Nutze diese unschlagbare Technik für mehr Realismus

Die beste Technik für Detailverliebte

01.07.2019 | von Chabi |

„Kunst wird erst dann interessant, wenn wir vor irgend etwas stehen, das wir nicht gleich restlos erklären können.“ (Christoph Schlingensief)

Wie oft stehst oder sitzt du vor Bildern, bei denen du staunst? Bilder, welche wir lange betrachten, haben etwas grandioses erreicht.

Sie haben Aufmerksamkeit erzeugt. Sei es durch ehrfurchtsvolles Erstaunen oder weil das Bild blanker Horror ist.

Horrorbilder ist ein krasser Ausdruck für Werke, die entweder vom Betrachter als „schlecht“ bewertet werden oder die ein Unbehagen in uns auslösen. Einige Künstler wollen genau diese unangenehme Wirkung erzeugen. Sie provozieren und bleiben mit diesem Eindruck in den Köpfen anderer hängen.

Willst du ebenfalls in den Köpfen anderer hängen bleiben? Dann sollten deine Bilder beim Betrachter eine Empfindung hervorlocken.

Nur welche? Freude, Ehrfurcht oder Entsetzen? Was ist deine Wahl?

Wenn du andere erstaunen möchtest, habe ich genau das Richtige für dich. In diesem Artikel zeige ich dir eine simple und effektive Technik, welche deinen Bildern zu mehr Realismus verhilft.

Diese Technik ist besonders für Detailverliebte geeignet und für diejenigen, die neue Wege im Zeichnen entdecken wollen.

Klingt super? Dann lass uns anfangen!

Das brauchst du:

  • Bleistift oder Kohle

  • Papier in einer beliebigen Stärke

  • Nailarttool (günstig über Amazon erhältlich)

    Alternativ kannst du eine leere Kulimine oder einen anderen dünnen Stab verwenden. In deinem Haushalt findest du sicherlich etwas (z.B. Spieß, Nadel)!

Nailarttool

Du wirst feststellen, dass Techniken zu Beginn Aufmerksamkeit und Geduld erfordern. Warum also viel Geld für ein Achtsamkeitstraining ausgeben, wenn du mit dieser Technik ebenfalls dein Ziel erreichst?

Die vorgestellte Technik ist für viele Motive anwendbar. Welche das sind, verrate ich dir im Verlauf des Artikels.

Eindrücken ohne zu verletzen

Nimm dein Werkzeug und drücke leicht in das Papier ein. Sobald du ein Gefühl für das Werkzeug bekommen hast, ziehe mehrere Linien ohne das Papier zu verletzten. Es sollten keine aufgescheuerten Stellen oder Löcher entstehen. Je spitzer das Ende vom Werkzeug ist, umso vorsichtiger musst du sein!

Im nachempfundenen Bild „Der Schrei“ (Edvard Munch) erkennst du die leicht eingedrückten Linien. So ist es optimal. Als Papierstärke wählte ich 190g.

Edvard Munchs "Schrei", um die Technik zu zeigen

Unsichtbares sichtbar machen

Du hast deine „unsichtbaren“ Striche gezogen?

Super!

Dann schnapp dir einen Blei- oder Kohlestift. Schattiere den Bereich, indem du den Stift breit aufträgst. Die eingedrückten Stellen werden sichtbar.

Jetzt erkennst du die Dicke deines Striches. Andere Werkzeuge erzeugen andere Strichstärken. Probiere es aus!

Indem du den Stift schräg hälst, kannst du eine breite Schicht auftragen.
Mit einem Estompen die erste Schicht verwischen
Mittels Kontrasten die eingedrückten Linien mehr unterstreichen

Wofür ist das gut?

Jetzt klären wir die Frage, wo wir diese Technik anwenden können.

Überraschung! Grundsätzlich kannst du sie überall anwenden, wo du mit einem Stift zeichnest. Beliebte Anwendungsgebiete sind Haare, Felle und Stellen, an denen du die Papierfarbe bewahren möchtest (z.B. Glanzpunkte der Augen).

Wenn du Fell zeichnen möchtest:

Die Länge der eingedrückten Striche richtet sich nach der tatsächlichen Felllänge des Tieres. Bei Schnurrhaaren ziehe ich lange Striche, welche leicht gebogen sind.

Für das Fell einer Hauskatze ziehst du viele kurze Striche in Fellrichtung. Schattiere vorsichtig kleine Bereiche mit einem Bleistift der Stärke H oder HB. Damit erkennst du, ob die Anzahl der Fellstriche ausreicht (ggf. wegradieren und erneut Striche eindrücken).

Sobald du zufrieden mit deinen eingedrückten Strichen bist, kannst du folgendes tun:

  1. Helles Fell: Radiere vorsichtig in Fellrichtung einzelne Bereiche. Alternativ kannst du mit einem Radierstift dünne Haare einradieren.
  2. Dunkles Fell: Bei einem dunkleren Fell empfiehlt es sich, mehrere Schichten mit einem weichem Bleistift (B bis B8) oder Kohle einzuzeichnen. Dies sorgt für tolle Kontraste und erzeugt die Illusion von Tiefe.

Wie hell oder dunkel müssen einzelne Bereiche sein? Zur optischen Unterstützung orientiere dich an deinem Referenzfoto. Wandel dieses in ein Schwarz-Weiß-Motiv um. Damit erkennst du die unterschiedlichen Tonbereiche besser.

Rohskizze einer Fellzeichnung

Fellstruktur mit starken Kontrasten

Fellzeichnung mit mehreren Tonschichten

Diese Technik ist besonders dann effektiv, wenn du sie in Ruhe ausführst. Der Zeichner Lisandro Peña braucht Stunden bis Monate für seine hyperrealistischen Fellzeichnungen (abhängig von der Bildgröße). Wie toll muss es sich anfühlen, wenn nach der langen Vorarbeit die Bereiche endlich schattiert werden können?

 

Mit Geduld die Striche einzeichnen

Ich bin gespannt, für welche Motive du die Technik umsetzt und wie es deine Bilder verändert. Schicke mir gerne dein Bild an meine E-Mail-Adresse: info@chabis-art.de. Ich würde mich riesig darüber freuen!

Oder vielleicht kennst du die Technik schon und hast sie bereits erfolgreich angewendet?

Schreib es in die Kommentare!

Deine Chabi

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.