Spezialisierung in der Kunst – mein neuer kreativer Weg

illustrierte-Waldkrähe

04.03.2026 | von Chabi | Blick ins Atelier

Ein künstlerischer und persönlicher Neuanfang …

Im Leben gibt es oft Wandelphasen und Momente, wo jeder von uns merkt, dass sich etwas ändern muss. Innen, wie Außen. Gerade die äußeren Umstände und die vielen, teils beunruhigenden, Nachrichten zwingen uns genauer zu prüfen:

Wer sind wir, was wollen wir und wo sind unsere deutlichen Grenzen?

Wenn du einige Artikel in meinem Blog gelesen hast, weißt du, dass ich neben Kunst und Illustrationen auch psychologische Impulse mit einfließen lasse.

So auch in diesem Artikel über meinen kreativen Weg, der um so vieles facettenreicher wurde.

Absolute Detailtreue – Mein erster Weg

Seit 2018 war mir Detailtreue das Wichtigste gewesen. Nicht um Perfektion zu zeigen, sondern um meine Wahrnehmung zu schulen. Ich wollte präsent sein, genau sehen und im Moment spürbar sein. Als ein Mensch mit Dissoziationserfahrungen erkenne ich erst heute, dass es nicht um reine Ästhetik ging, sondern um so viel mehr. Ich verstehe heute, warum freie, kreative Arbeit mich überforderte und warum mir damals jedes Detail Halt gab.

Jedoch statt immer mehr in den Hyperrealismus zu gehen, wollte ich irgendwann bunter und freier in meinem kreativen Ausdruck werden. Dabei hätte ich als Künstlerin sicherlich mit dem Hyperrealismus sehr weit kommen können.

Portraitzeichnungen-Material-und-Techniken
Fotovorlage-und-realistische-Zeichnung

Was hat sich verändert?

Warum mir Detailtreue so wichtig war, verstehe ich heute sehr gut. Doch warum fiel es mir so schwer, mich nicht einfach auf ein Material oder Motiv einzulassen? In Hinblick auf Marketing und Strategien zum „beruflichen Erfolg“ wäre es viel lukrativer gewesen, wenn ich zum Beispiel mich auf hyperrealistische Bleistiftzeichnungen von Verstorbenen oder Hochzeitsbildern fokussiert hätte. Jedoch konnte und wollte ich mich nicht einengen lassen. Laut einer bestimmten Aussage lasse ich mich scheinbar sehr von meinem Nervensystem leiten, anstatt unternehmerisch zu denken.

Ich brauche Freiheit in der Material- und Motivwahl, um kreativ sein zu können. Gleichzeitig brauche ich eine Struktur und Deadlines, um kreativ sein zu können. Widerspricht sich das?

Nicht direkt! Dieser Konflikt zwischen Struktur und Freiheit ist das, was eine enorme Spannung und anfangs auch Unsicherheit erzeugte. Ich war breit gefächert innerhalb einiger Materialien und Techniken, hatte viele Projekte nie vollendet und wusste kaum, wohin ich eigentlich gehörte. Anstatt ein klares Angebot zu erstellen, wurde Chabi.s Art zu einer Identitätsfrage.

Ab wann ist Kunst nur ein Hobby und ab wann ein Beruf?

Ein Beruf verlangt eine gewisse Struktur. Zuviel davon erzeugt Enge, raubt Motivation und Kreativität. Der Boden wird steinhart und lässt das Leben nicht zu. Zu wenig Struktur lässt einen zerfließen und erzeugt einen zu flüssigen Untergrund ohne notwendige Substanz, auf dem etwas stehen könnte.

Eine Zerreißprobe, welche unfassbar viel Kraft kostet. Um jedoch Erfüllung im Leben zu erhalten, ist genau dieser Balanceakt so entscheiden. Zumindest aus meiner Perspektive.

Beide Pole sind richtig und wichtig – unternehmerische Klarheit mit Positionierung, Wiedererkennungswert und Fokus sowie die künstlerische Freiheit mit der Erlaubnis den Prozess zu würdigen.

Es braucht keine Entscheidung zwischen einen der beiden Pole, sondern Architektur aus einem stabilen Rahmen (unternehmerischer Teil) und einem inneren Spielraum (künstlerischer Teil).

Falls es dir ähnlich ergeht, wäre hier ein praktisches Beispiel für einen stabilen Rahmen und einen gleichzeitig vorhandenen inneren Spielraum, wie er im ersten halben Jahr getestet werden kann (bezogen auf meine Kunst):

Ein stabiler Rahmen könnte sein:

  • Bereich Marketing: feste Veröffentlichungsfrequenz eines Blogartikels (z.B. 2mal im Monat) sowie 1-2 mal einen Post für Social Media entwerfen (gerne auch recyclen).
  •  Bereich Finanzen: klare Shop-Struktur errichten und Preise kalkulieren.
  • Bereich Kunst: nur ein Hauptmaterial pro Quartal im Fokus, wo ich viel teste, recherchiere und Werke fertigstelle.

Das ist das äußere Gerüst, wo es um die Bündelung der eigenen Energie und Sichtbarkeit geht. Hier erlaube ich mir tiefere Erfahrungen zu machen sowie Marketing zu betreiben, ohne dass es zu viel Energie kostet.

Der innere Spielraum wäre:

  • Bereich Material: keine dauerhafte Material-Festlegung. Ich muss mich nicht spezialisieren, sondern kann nach einem Monat auch wechseln.
  • Bereich Reflexion: Dokumentationen von Entwicklung und offen sein für Übergänge.
  • Bereich Natur: Die Hinwendung zur Natur erdet mich und gibt mir den neuen Halt, statt nur auf Details zu setzen.

Gerade die Reflexion ist super wichtig. In meinem kreativen Selbsterfahrungskurs habe ich bereits beschrieben, welche Auswirkungen dies auch mich hatte.

Neue Spezialisierung als kreativer Weg

Veränderung, Reflexion und ein bewussteres Handeln. So wie ich damals mich gegen eine Spezialisierung wehrte, so habe ich nach einer langen Phase der Bewusstwerdung etwas gefunden, was einer Spezialisierung gleich kommt, ohne mich zu beschränken.

Aber was bedeutet überhaupt Spezialisierung?

Für mich ist eine Spezialisierung ein klarer Kern, um den sich alles dreht. Eine Orientierung. Ich dachte, es muss ein Material oder ein Motiv sein. Dabei kann eine Spezialisierung auch so was sein wie eine Zielgruppe, eine Haltung, ein Stil, eine Wirkung oder was ganz anderes sein. Dazu kommt jedoch unweigerlich so etwas wie die eigene Geschichte, die Art zu sprechen, die Wahl des Mediums sowie die eigenen Projekte.

Ich spüre deutlich den Wunsch nach Tiefe, indem ich meine Bereiche Kunst, altes Handwerk, Natur, Psychologie und Spiritualität zu etwas Neuem verbinde. Etwas aus mir heraus zu erschaffen und in den Händen halten zu können, wirkt wie ein ziemlich natürliches, weibliches Prinzip. Dabei ist mir vor allem Natürlichkeit mega wichtig geworden, wie du bereits in meinem Artikel über Kunst und Nachhaltigkeit lesen konntest.

Natürlichkeit-und-Liebe-zur-Umwelt
Katze-mit-Gouache

Handwerke, wie Sticken, Linolschnitt oder Brandmalerei kommen in meiner kreativen Arbeit mit hinein, weshalb auch hier natürliche Materialien für mich entscheidend sind (umweltfreundliche Farben, Garne und Stoffe aus Baumwolle oder Leinen, Umgang mit Holz oder Pflanzen). Natur war für mich schon als Jugendliche ein unfassbar wertvoller Anker gewesen, welcher durch diverse Umzüge etwas in den Hintergrund geriet. Umso mehr freut es mich riesig, dass sich meine Verbindung zur Natur nun auch im beruflichen Bereich mehr etablieren und ausdrücken möchte.

Mir zeigt diese automatische Rückbesinnung zur Natürlichkeit sowie der Wunsch nach Bewusstwerdung, dass meine Spezialisierung vor allem sich um Natur(-verbindung) sowie Wahrnehmungsschulung dreht.

Spezialisierung: Meine Kunst verbindet Natur, bewusste Wahrnehmung und kreativen Ausdruck.

Alles was ich erschaffe, entsteht im Spannungsfeld dieser drei Punkte – Natur, Wahrnehmung und Ausdruck. Die Wahl des Materials, Motive oder der Techniken sind weiterhin Ausdrucksmittel und keine Grenze.

Alleine wenn ich das Holz bei der Brandmalerei rieche, die Oberflächen von Stoffen und Papieren spüre oder wenn ich mich mehr mit Pflanzen kreativ beschäftige, fühlt sich das sehr nach Leben an. Es gehört alles zusammen und muss nicht wie ein Wirkstoff auf ein einzelnes Molekül separiert werden. Die Summe macht es aus, dass etwas Eigenes und „nicht Austauschbares“ entsteht. Gerade in Zeiten von KI, welche vieles schnell, manchmal schön und preis sparend erstellt, ist diese menschliche und vielschichte Seite sehr wichtig geworden.

2 Kommentare
  1. Jochen sagte:

    Moin Chabi, diesen Beitrag werde ich wohl noch mehrmals lesen, bis alles getipperte darin, sich meinen Gehirnwindungen erschließt. Aber grob erkenne ich schon, warum ich nichts auf die Reihe kriege. Mit meinen „Hobbys“ bzw. Freizeitaktivitäten strebe ich zurzeit keine Selbstständigkeit an, will mir aber schon auf YouTube eine Community aufbauen, die das gut findet, was ich da mache. Einerseits den Kartonmodellbau und die Klemmbaustein-Welt (auch als Legosteine bekannt) verbinden und die Arbeiten daran halt für YouTube filmen. Des weiteren will ich Kurzfilme über Museen erstellen, um diese dann einer hoffentlich breiteren Masse vorzustellen.
    Mir fehlt noch eine tägliche Struktur, um diese Ideen auch Realität werden zu lassen. Dein Beitrag liefert mir dafür einen Ansatz um das zu schaffen.

    Antworten
    • Chabi sagte:

      Hallo Jochen, danke dir für deinen Kommentar und den Einblick in das, was du dir aufbauen möchtest. Ein Hobby als „Hobby“ zu belassen und daraus keine Selbständigkeit zu machen, kann ich gut nachvollziehen. Mit der Selbständigkeit kommen viele weitere Aspekte hinzu, welche die Freude am Hobby/Beruf nehmen können. Andererseits kann durch eine gewisse Struktur, welche in der Selbständigkeit ebenfalls notwendig ist, hilfreich sein um Ziele zu erreichen. Es kommt wirklich darauf an, was du dir wünscht, warum dich dieses Ziel so anspricht und was für ein Widerstand dies unterbindet. Der Wunsch, eine eigene Community aufzubauen, ist etwas Wunderbares.
      LG, Anita

      Antworten

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