8 simple Möglichkeiten Buntstifte effektiv zu verblenden

12.08.2020 | von Chabi |

Vor meinen Augen liegt ein uraltes Bild. Vermutlich stammt es aus meiner kreativen, pubertären Phase (zwischen 1998-2000), in der ich vorzugsweise Mangafiguren zeichnete. Ich nutzte damals extrem selten Buntstifte für meine Bilder. Haut zu malen empfand ich als pure Grausamkeit. Damals hatte ich mehr Freude am Skizzieren und Schattieren.

Zu meinem damaligen Werk:

In diesem Bild siehst du jeden einzelnen Strich. Nix ist miteinander verblendet worden. Die Struktur der Stifte ist besonders im Himmel ein Naturschauspiel und erinnert an den Sternenhimmel von VanGogh. Vermutlich ist der gelbe Strich eine gigantische Sternschnuppe.

Zeichnung zeigt eine Mangafigur

Kennst du ebenfalls solche Bilder von dir?

In diesem Artikel zeige ich dir 8 einfache Möglichkeiten, wie du Buntstifte leicht und effektiv miteinander verblenden kannst. Das Resultat sind sanfte Farbübergänge, die deinen Werken zu mehr Schönheit verhelfen.

Hinweis: Werbung, da Markennennung – unbezahlt

1. Die Vorbereitung

Für alle Varianten nutzte ich zwei verschiedene Polychromos-Buntstifte (Farbe: Kadmiumorange und Magenta) sowie glattes Papier (Stärke 190 g/m²). Lediglich beim letzten Punkt kamen meine Tintenstifte von Derwent auf Mixed Media Papier zum Einsatz.

Alleine beim folgenden Bild wird klar, dass diese Stifte bereits jetzt eine bessere Ausgangsbasis zum Verblenden haben, als das oben gezeigte Mangawerk.

Zum Verwischen nutzte ich zwei Stifte als Ausgangsmaterial
Mit zwei Buntstiften zeichnete ich die verschiedenen Variationen vor

Dieses Bild mit den beiden Farben ist die Ausgangssituation für alle Varianten. In jeder dieser Varianten ist die selbe Pigmentstärke vorhanden. Zumindest habe ich tunlichst darauf geachtet. :) Die Übersicht der verschiedenen Methoden ist mein dritter Versuch einen klaren Vergleich zu demonstrieren. Meinen ersten Versuch lade ich bei Instagram als Video hoch.

Am Ende siehst du, wie sich die einzelnen Blendergebnisse im Vergleich zeigen.

Vorweg verrate ich dir bereits ein wichtiges Detail: die Ergebnisse sind abhängig von der Art und Weise, wie du das Material nutzt. Jede Blendmöglichkeit wird dich weit bringen können, vorausgesetzt, du bekommst ein Gefühl für die richtige Handhabe.

2. Verblenden mit trockenen Materialien

Viele Künstler mögen die trockenen Techniken sehr gerne. Ich gehöre dazu! :)

Diese Methoden sind ohne weiteres anwendbar und gelingen leicht. Jedoch benötigst du in der Anwendung, im Vergleich zu den nassen Methoden, etwas mehr Zeit.

Okay, lass uns mit den ersten Varianten anfangen:

2.1 Normales Schichten – simpel und effektiv

Beim einfachen Schichten setzt du eine Farbschicht nach der anderen übereinander. Diese trägst du zu Beginn mit leichtem Druck auf. Erst mit der letzten Schicht kannst du mehr Druck anwenden. Damit glättest du das Papier und weitere Pigmente können nur schwer aufgenommen werden.

Wie bei allen Verwischvarianten solltest du dich vorher entscheiden, welche Bereiche hell bleiben, wo du dunkel werden möchtest und wie umfangreich die Farben ineinander übergehen sollen. Beginne am besten mit der hellsten Farbe und steigere dich in die dunkleren Bereiche hinein.

Die Layeringmethode benötigt mindestens zwei Stifte.

2.2. Estompen, alias Verwischstift

Verwischstifte bestehen aus Papier und sind in verschiedenen Größen erhältlich. Du kannst diese genialen Stifte auch leicht selber herstellen. Die Haltbarkeit scheint ewig zu sein.

Am besten eignen sie sich für Bleistiftzeichnungen. Auf glattem Papier entsteht spielend leicht ein ultra softer Eindruck. Aber auch für Buntstifte lohnt sich die Anwendung.

Die Handhabung ist simpel. In gewünschter Strichrichtung oder kreisend verblendest du achtsam die Farben miteinander. Sobald du fertig bist, reinigst du deinen Verwischstift mit Sandpapier.

Verwischstifte sind ideal für Bleistift u. Buntstifte

Alternativen zum Verwischstift:

  • Wattestäbchen
  • softes Taschentuch
  • die Finger (…wobei besser doch nicht! Die Gefahr ist zu groß, dass damit das Bild ruiniert wird!)

2.3. Weißer Buntstift (auf Ölbasis)

Ein tolles Medium, um Farben sehr sanft erscheinen zu lassen. Auch hier wird die Papierstruktur kaschiert und Farbverläufe ermöglicht. Jedoch wird deine Farbe aufgehellt und verliert zudem einen Teil seiner Leuchtkraft. Meist ist das Verblenden mit dem weißen Stift die letzte große Tat. Es schließt die Farbschicht ab und oftmals passen keine weiteren Pigmente oben drauf. Du erkennst dann diesen glänzenden Film oben drauf.

Weitere Methode zum Verblenden ist ein weißer Buntstift

2.4. Farbloser Blender (auf Wachsbasis)

Greif zu dieser Alternative, wenn dich der aufhellende Effekt des weißen Buntstiftes stört. Blender sind farblos und können deine Farben so miteinander mixen, dass die Leuchtkraft erhalten bleibt. Grund für diesen Effekt ist der Wachskern des Stiftest (im Vergleich zum Ölkern des weißen Polychromos).

Wichtig: Vermische die Farben vom hellen zum dunklen Bereich und wisch regelmäßig die Farbpigmente von der Minenspitze ab.

Die Farben werden nach der Anwendung des Blenders versiegelt und es stellt damit die letzte Schicht dar.

3. Verblenden mit feuchten/nassen Materialien

Für diese Varianten benötigst du einen Pinsel oder ein Wattestäbchen. Nur bei den Babyöltüchern darfst du ausnahmsweise deinen Finger benutzten. :)

Mit den Utensilien hast du innerhalb kürzester Zeit deine Farben miteinander verwischt. Jedoch benötigt diese Handhabung etwas mehr Übung, als die trockenen Methoden.

3.1 Zest it – flüssige Orange

Eine gute Alternative zu Terpentin. Zest it riecht nach Orange und ist ungiftig(er). Wer den Geruch nicht mag, für den gibt es im Handel sogar eine geruchsneutrale Variante.

Du kannst dieses Produkt als Flüssigkeit und als Schwamm erhalten. Derzeit besitze ich beides, jedoch habe ich bislang nur mit der Flüssigkeit mein Unwesen getrieben.

Tipp: Nutze bei dieser Methode viele Farbpigmente, damit das Zest it diese miteinander verwischen kann. Wenn du zu viel Flüssigkeit nutzt, könnte dein Papier durchbluten. Dieses trocknet meist nach und ist dann unsichtbar. Mir hat es dennoch gezeigt, dass ein dickeres Papier geeigneter ist und ich besser den Pinsel von zu viel Flüssigkeit befreie.

3.2 Babyöltücher – einfach um den Finger wickeln

Von der Ölmalerei hatte ich noch viele Babyöltücher übrig. Dort nutzte ich diese ebenfalls zum Verblenden oder Abtragen von Farbe.

Anwendung: Wickle das Tuch um deinen Finger und verwische achtsam die Farben miteinander. Schau, mit welchem Druck und in welche Strichrichtung du deinen gewünschten Effekt erhalten kannst. Muss du eher kreisende Bewegungen machen oder Striche ziehen?

Die Finger sind nach der Anwendung recht ölig. Solltest du dies nicht mögen, kannst du auch das Babyöl als Flüssigkeit nutzen (mit Pinsel).

Neben dem Babyöltuch gibt es das flüssige Öl als Alternative

3.3 Ätherisches Öl – der etwas andere Duft

Funktioniert wie Zest it, jedoch sind die edlen Tropfen um einiges teurer. Du verwendest automatisch weniger, wodurch es sicherlich nicht durchbluten wird.

Mit einem Wattestäbchen oder Pinsel nimmst du vorsichtig einige edle Tropfen auf und verwischt die Pigmente miteinander.

Das Ergebnis ist genauso gut, wie mit dem Zest it oder dem Babyöl. Eines ist jedoch besonders: diese Methode ist in zahlreichen Duftvariationen erhältlich, was deinem Bild eine unvergessliche und individuelle Note verleihen wird. :)

Verwischen ist ebenfalls mit ätherischem Öl möglich.

3.4 Wasser – die Brücke zum Aquarell

Diese Methode funktioniert mit wasservermalbaren Stiften und erzeugt wunderschöne Farbverläufe. Du erhältst hier keine so hohe Farbsättigung, wie bei den anderen Methoden. Dafür können die Farben durchaus intensiv leuchten und der erhaltene Aquarelleffekt ist derzeit ultra modern.

4.  Meine absolute „Nicht-Empfehlung“ für dich

Neben den o.g. Varianten gibt es noch Möglichkeiten, die ich dir nicht empfehlen kann:

  • Terpentin: Früher ein gängiges Mittel zum Verwischen. Diese Flüssigkeit riecht streng und ist zudem giftig. Solltest du um den Einsatz von Terpentin nicht drum herum kommen, empfehle ich dir das Arbeiten im Freien.
  • Alkohol (Isopropanol): Ebenfalls ein sehr starker Geruch, was nur gut gelüftet benutzt werden sollte. Jedoch ist die Anwendung ebenfalls gesundheitlich nicht zu empfehlen.
  • Der eigene Finger: Wie oben im Text bereits erwähnt, eignet sich diese Methode nicht, obwohl viele sie scheinbar gerne anwenden. Die Gefahr ist hoch, dass durch den Ölfilm deines Fingers das Bild, ruiniert wird. Bei mir entstanden dann Flecken auf dem Papier, welche ich nicht wieder wegbekam.

5.  Fazit zu den Methoden

Die Hauptwirkung der Verwischtechniken beruht entweder auf Öl, Wachs oder auf Wasser, abhängig von deinen Stiften.

Alle Materialien verlangen Übung! Die einen mehr, die anderen weniger. Welche Dosis ist die richtige? In welche Richtung verwische ich am besten die Farben?

Du brauchst nicht alle diese Varianten zu beherrschen!

Meine Favoriten sind Wasser, normales Schichten und der Verwischstift. Jeder hat seinen Lieblinge. Deshalb such dir ebenfalls deine liebsten Methoden aus, welche dich ansprechen und mit denen du zu deinen gewünschten Ergebnissen kommst.

Wie du siehst, es gibt unzählige Varianten, welche sich sehr gut eignen und von welchen du lieber die Finger lassen solltest. Welche nutzt du und gibt es noch einen Tipp/Variante, welche du gerne mit uns teilen möchtest?

Schreib es in die Kommentare!

4 Kommentare
  1. Jennifer sagte:

    Hi Chabi,

    für mich als Buntstift-Mal-Anfänger, ist dein Artikel wirklich hilfreich. Danke für die zahlreichen Tipps!

    Ich finde es toll, dass du am Ende auch nochmal ein Vergleich gebracht hast, wie es vor dem Verblenden und mit den jeweiligen Methoden aussieht. Damit hast du mir einen direkten Einblick gegeben, mit welcher Technik welcher Verblendungseffekt erreicht werden kann.

    Ich werde die Variante mit Wasser und Babyöltücher ausprobieren, da ich weiche Übergänge persönlich am schönsten finde. Verwendest du eine bestimmte Marke bzw. einen bestimmten Hersteller für Babyöltücher?

    Liebe Grüße!

    Antworten
    • Chabi sagte:

      Huhu Jennifer,
      lieben Dank für deinen Kommentar.
      Wasser ist ein tolles Blendmedium, gerade wenn du wasservermalbaren Stifte besitzt.

      Zu deiner Frage:

      Da so eine Packung jede Menge Tücher besitzt, habe ich bislang nur die Babyöltücher von Rossmann getestet. :D Auch in einem Malkurs für die Alla-Prima-Malerei nutzten wir diese Marke. Vermutlich gibt es jene auch in anderen Drogerien und bewirken den selben Effekt. Falls du eine andere Marke nutzen solltest, würde ich mich über deine Erfahrungen freuen.

      Liebe Grüße
      Chabi

      Antworten
      • Jennifer sagte:

        Hallo Chabi,

        danke für deine schnelle Antwort!

        Ich denke ich werde die Babyöltücher von Rossmann als Erstes ausprobieren.

        Falls ich damit nicht zufrieden sein sollte, werde ich andere Babyöltücher testen und dann gerne meine Erfahrung mit dir teilen. :)

        Liebe Grüße! :)

        Antworten

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