Im Farbrausch – Zeit zur Reflexion

18. Oktober 2018 | von Chabi |

Sich treiben lassen

Goldene, grüne und rot schimmernde Blätter. Die Sonne zeigt sich an manchen Tagen immer noch kräftig und wärmend. Der goldene Herbst hat begonnen und verwöhnt uns mit einem Farbrausch. Ich liebe es! Möchtest du den Zauber des Herbstes aufnehmen, solltest du einen Moment innehalten und lauschen.

Ich nutze diese Zeit zur Innenschau und reflektiere die letzten Monate. Diese waren geprägt von schönen Momenten, manchen Tränen und einigen Auseinandersetzungen. In diesem Artikel gebe ich eine kleinen Überblick, was mich in dieser Zeit bewegt hat. Ein großer Punkt vorweg: Meine therapeutische Ausbildung ist seit Oktober in die Endphase übergetreten. Das heißt, viele Berichte schreiben, Unterschriften hinterherrennen und Therapien zum Abschluss bringen. Im März 2019 ist die große Endprüfung.

Das Bild zeigt mich selbst in der Natur. Der Tag war warm und sonnig.

Ich habe noch keine Ahnung, wie ich meine Approbation nutzen will und ob das wirklich der richtige Weg für mich ist. Diese Unklarheit bereitet mir Kummer.

Das Blogger-Dasein

Mein Blogger-Dasein existiert derzeit am Rande des Machbaren. Dennoch entsteht schrittweise etwas, dass ich mit viel Liebe und Hingabe gestalte habe. Neben den gestalterischen Tätigkeiten, habe ich mich mit Pinterest und Google Analytics auseinandergesetzt. Ich dachte zuerst: „Ach, das geht schnell!“ Was für ein Irrtum! Beide Bereiche brauchten mehr Zeit als gedacht.

Mir machte die neue Datenschutz-Grundverordnung (DGSVO) sorgen. Ich las von ersten Abmahnwellen und einer überdauernden Unsicherheit in der Bloggerszene.

Google Analytics datenschutzgerecht einzubauen bescherte mir einige graue Haare. Jetzt hat dieser Punkt hoffentlich ein Häkchen. Was Pinterest anbelangt: viel Raum für Kreativität und vor allem Marketing. Diesen Kanal befülle ich regelmäßig mit Pins, wie eine gute morgendliche Kaffeetasse. Für das Design schwöre ich mittlerweile auf Canva.

Auch wenn für die gesamten Projekte (plus Arbeit und privates Leben) die Zeit knapp war und ist, es lohnt sich strukturiert weiter zu machen. Der größte Lohn ist, etwas geschafft zu haben und etwas zu tun, was meins ist. Ja, wir haben meist wenig Zeit für die Dinge, die uns guttun und uns bereichern.

Aber! Es ist wichtig, dass wir uns die Zeit nehmen. Nicht einmal oder zweimal, sondern so oft es geht.

Wir sind meist viel zu hektisch und wundern uns, warum wir uns mit kreativen Sachen so schwertun. Der Spaß ist schnell weg.

Auch hier gilt es: Halte einen Moment inne und lausche.

Mein Rembrandt als Beispiel

Durch eine Twitter-Challenge entstand der französische Rembrandt

Für das Bild habe ich einige Stunden gebraucht. Es gab Phasen, an denen ich es in den Müll schmeißen wollte, so wie die meisten Bilder. In solchen Momenten spüre ich Unruhe, Wut und Lustlosigkeit. Meine Linienführung wirkt hektisch und erzeugt im schlimmsten Fall gravierende Unfälle im Bild.

Was in diesen Moment schwierig ist: Durchatmen und akzeptieren, was ich fühle. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Bilder noch entwickeln können (wie die meisten anderen Dinge im Leben). Diese Erfahrung ist für mich extrem wichtig: An einer Sache dran bleiben, auch in Zeiten größter Frustration. Es kann noch etwas „Schönes“ draus werden.

In meinem Rembrandtbild ist ein Bleistift ungebremst auf die Stelle gedüst, wo jetzt der Leberfleck ist. Das Missgeschick konnte ich nicht wegradieren, ohne das Papier noch mehr zu beschädigen. Durch den angedeuteten Leberfleck ist mein französischer Rembrandt geboren. Not macht erfinderisch!

Warum wütend sein, wenn ein Schönheitsfleck alle Sorgen behebt? Hinterher war ich über so viel Liebreiz eher amüsiert (Achtung, ironisch überspitzte Ausdrucksweise!).

Im Kaufrausch

Wenn die Tage in der Stadt heiß waren, flüchtete ich mich in einige Läden. Zum „Schutz vor der Hitze“ natürlich. Und….Ich war wieder dort, wo es so viele schöne Stifte gibt und ich konnte nicht widerstehen. Neue Kohlestifte, in Weiß und Schwarz. Ein Hochgenuss für die eh überfüllte Stiftebox. Achja, und dann sind noch die vielen weiteren Polychromosstifte. Ich kann mich nicht zurückhalten.

Es war für mich der Hit zur Papierauswahl zu gehen. Ich berührte sämtliche Blöcke und war erstaunt, wie unterschiedlich sich die einzelnen Marken anfühlten. Ich saugte die Eindrücke auf. Was für eine sinnliche Erfahrung. Weniger sinnlich waren die Preise!

Portrait einer Großmutter

Bei meinen Eltern zu Hause entdeckte ich eine Kiste voller alter Familienfotos. Ein Dutzend Leute, welche ich noch nie gesehen hatte. Aber auch Personen, die mir durchaus bekannt waren. Ich sah ein Bild meiner Großmutter, als sie noch jung war und es blitzte in mir auf:“Zeichne sie!“

Während ich das Portrait anfertige, wurde ich wehmütig. Durch den Lauf der Dinge habe ich sie nie richtig kennenlernen dürfen. Ich stellte mir vor, was sie mir wohl für Geschichten erzählt hätte.

Erneut habe ich es erlebt: Ich spürte eine Verbindung zu der Person, welche ich zeichnete. Was ich dabei fühlte, lässt sich schwer in Worten ausdrücken.

Habt ihr ein Bild von einem Familienmitglied, welches ihr gerne zeichnen würdet? Vielleicht sogar eines dieser „Uralt-Bilder“? Die Anfertigung eines solchen Bildes ist berührend!

Großmutter in jungen Jahren

Als das Bild fertig war, zeigte ich es der Familie. Selbst Familienmitglieder, mit denen ich lange kein Kontakt hatte, sprachen mich darauf an. Bilder können verbinden und das in einer Form, mit der ich nicht gerechnet hatte.

Es war für mich der Anlass, mich tiefer mit meiner Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Automatisch saugte ich sämtliche Informationen zu Familienmitglieder auf und bildete daraus einen Stammbaum.

Was ich schade fand: Einige der Personen von den „Uralt-Fotos“ werde ich namentlich nicht mehr entschlüsseln können.

Deshalb mein Rat an diejenigen, die sich für ihre Familiengeschichte interessieren: Fangt früh damit an und sammelt zügig die Informationen, die ihr für einen Stammbaum braucht!

Mit der Familie verbunden sein

Kleine Nichte zeichnet Rembrandt

Innerhalb des Familienbesuches saßen wir oft draußen im Hof und zeichneten. Selbst meine Mutter lies sich zu einem Bild überreden. Der Tisch war voller Zeichenmaterialien. Auf dem Boden fanden wir ebenso viele Stifte.

Die Atmosphäre war gelöst. Besonders meine kleine Nichte fand es toll, wie alle gemeinsam Bilder erschufen. Sie erzählte zu jedem Bild eine Geschichte und was sie dabei empfunden hat. So sieht es aus, wenn sich jemand ohne Scham kreativ austobt.

Sie ist eine Inspiration und ein Vorbild.

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