Die ersten Schritte sind die schwersten – Ein Rückblick

29. Juli 2018 | von Chabi |

Wie die Zeit vergeht…

Die Sonne brennt unermüdlich, Eis bringt nur kurz die gewünschte Abkühlung. Höllisch warm sind die Tage!

In diesem Sommer blicke ich auf ein halbes Jahr Erfahrung zurück. Seit Dezember 2017 zeichne ich beinahe täglich; Materialien kommen in Massen zu mir (Stifte, Farben, Papier). Die Fülle der Produkte und die Qualitätsunterschiede haben mich überrascht. Retrospektiv finde ich es wichtig, verschiedene Materialen zu testen und dadurch ein Gefühl für den Umgang mit diesen zu bekommen.

Eine Aufgabe bestand darin, selbst für Stifte eine Verwendung zu finden, welche z.B. schmierten oder bei denen die Mine schnell brach. Die „Minenbrecher“ reichen zum Skizzieren, für mehr nicht!

Für anspruchsvolle Bilder braucht es Materialien in guter Qualität und die hat ihren Preis. Als Kind und Jugendliche war ich mit einfachen Stiften zufrieden. Heute kostet mich ein Buntstift mindestens 2 Euro. Alltag eines jeden (angehenden) Künstlers. Diese Erfahrung musste ich erst machen.

Nach den ersten Anschaffungen probierte ich mich mit Graphit und Kohle aus. Augen, Nase, Mund, Haare für die Basis. Ich durchstöberte Youtube und Lehrbücher nach brauchbaren Techniken. Die unfassbare Detailliebe anderer Künstler hat mich fasziniert (hyperrealistische Kunst). Hier meine Anfänge (die Youtube-Quelle findest du als Markierung beim jeweiligen Bild):

Okay, die Basissachen habe ich erprobt. Anstatt weiter am Fundament zu arbeiten, stürzte ich mich auf die nächsten Disziplinen. Ein Fehler? Ein klares Jein! Spaß und Freude dürfen nicht fehlen und diese erlebe ich beim freien Austesten meiner künstlerischen Grenzen. Von dieser Lust und Freude ließ ich mich leiten.

Nächste Herausforderung: Portraits. Ein Wahnsinn, wenn ich bedenke, dass es hier neben Details einzelner Elemente, auch auf folgende Wahrnehmungs- und Umsetzungsfähigkeiten ankommt (gemäß: „Das neue garantiert Zeichnen lernen“ von Betty Edwards):

  1. Randlinien
  2. Raumformen
  3. Größenverhältnisse
  4. Licht und Schatten
  5. Das Ganze

Ein Fehler macht aus einer gewünschten Mona Lisa einen Frankenstein.

Zeichenkurs

Um mich weiter zu schulen und mich in einer Gruppe auszutauschen, besuchte ich im Februar 2018 einen Portrait-Workshop. Dabei ist dieses Wunderwerk entstanden (siehe rechts).

Ich dachte:“Scheiße, dafür habe ich 40 Euro ausgegeben.“ Als Basis in Ordnung, aber ich hatte mir mehr Antworten auf meine Fragen erhofft. Ich wollte z.B. wissen, wie ich realistischer zeichnen und mit speziellen Materialien umgehen kann.

Perfektionismus lässt grüßen

Da ist er wieder….der Perfektionismus. Möglichst schnell, möglichst gut und möglichst effizient sein. Eine Meisterschaft zu erlangen, bevor die Ausbildung in Fahrt gekommen ist. Bei dem Gedanken kam ich mir dumm vor. Ich hatte Angst mich zu blamieren.

Eine wichtige Lektion für mich, gleich zu Beginn: „Übe dich in Geduld. Sei zufrieden mit deinen Schritten und höre auf dich ständig zu vergleichen!“ Wie ein Mantra betete ich das vor mich hin. Trotz der Unsicherheit, machte ich weiter.

Mittels der Youtube-Anleitungen (Quelle: RuhrAkademie) sind diese Bilder mit Kohle und Kuli entstanden:

Ich atmete auf. Diese Zeichnungen gefielen mir besser. Der innere Kritiker wurde ruhiger. Dafür erlebte ich mehr Freude am Tun. Ein wichtiger Motviationsschub! Es folgten weiterer Bilder, welche durch diverse Tutorials entstanden sind (siehe Galerie).

In mir wuchs ein Wunsch: Es sollte persönlicher werden. Ich suchte nach brauchbaren Fotos von bekannten Menschen aus meinem Umfeld, die ich als Portrait darstellen wollte. Mein Ziel war, dass sich die Personen wiedererkennen. Eine Veröffentlichung erlebte ich als Herausforderung.

Was mich dabei berührte

Mehr und mehr begann ich, viele neue Details in Fotos wahrzunehmen. Die Mimik, die Falten, der Glanz in den Augen….Die intensive Beschäftigung mit dem Bild einer geliebten Person berührte mich.

Bevor ich mit einem Portrait begann, fertigte ich ein Hilfsgitter an. Dieses half mir die individuellen Feinheiten präzise umzusetzen. Um möglichst exakt zu sein, maß ich Abstände mit dem Lineal nach.

Mein innerer Kritiker fragte anfangs höhnisch: „Nur so kriegst das hin?“ Das machte mich nachdenklich. „Mache ich es mir mit dem Hilfsgitter zu einfach? Ich will es perfekt, am liebsten Freihand.“ Rückblickend gesehen war es gut, die Hilfsmittel genommen zu haben, die ich brauchte.

Kuliarbeiten

Im April verließ ich das Gebiet der Bleistiftzeichnungen und fing mit Kuliarbeiten an. Ich testete alle möglichen Kulis auf ihre Brauchbarkeit aus. Der eine kleckste, mit dem anderen waren keine feinen Striche möglich. Es hatte eine Weile gedauert, bis ich einen geeigneten fand. Super! Gleich 20 Stück davon bestellt! Es machte mir eine riesige Freude mit farbigen Kulis Bilder zu erschaffen.

Die Zeit vom April bis Juni 2018 war wertvoll. Ich sah, dass sich die Bilder verbesserten. Sie nahmen mehr Tiefe und Ausdruck an. Durch das Feedback von Familie und den sozialen Medien fühlte ich endlich etwas, das ich mir wünschte: Ich war stolz auf mich. Stolz, dass ich kontinuierlich übte, auch wenn der Alltag stressig und die Laune gelegentlich im Keller war.

Was noch hilfreich war und ist:

Auf Twitter gibt es regelmäßige Challenges, bei denen eine eigene Version eines bestimmten Portraits angefertigt werden soll. Im Juni habe ich diese Aufgaben häufig mit Polychromos auf Toned Gray Papier umgesetzt. Das trainierte das Licht- und Schattenspiel sowie das Gestalten der Haare (im Vergleich zum Kuli). Mir hat es vor allem der weiße Stift angetan.

Ich bin motiviert und bleibe dran! Die Reise geht weiter…

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